Am 22. November 2011 ist es in der Türkei zu einem neuen schweren Angriff auf demokratische Rechte gekommen. An diesem Tag wurden 42 Anwältinnen und Anwälte, alle aus dem Rechtsbüro zur Verteidigung von Abdullah Öcalan, festgenommen. Ihre Büroräume wurden durchsucht, zahlreiche juristische Materialien beschlagnahmt. 33 von ihnen befinden sich auch jetzt noch weiter in Haft. Ihre anwaltliche Arbeit wird als Mitgliedschaft in einer „verbotenen Organisation“ kriminalisiert. Einen solchen Angriff auf die Freiheit der anwaltlichen Tätigkeit hat es selbst nach den diversen Militärputschen in der Türkei nicht gegeben.
MAF-DAD — Verein für Demokratie und internationales Recht e.V. verurteilt diese Zwangsmaßnahmen und solidarisiert sich mit den verhafteten Juristinnen und Juristen. Das Vorgehen von Staat und Justiz ist Willkür und eine Verletzung von Menschenrechten.
Das Recht auf Verteidigung, gerade in politischen Verfahren, muss in jedem Land gewährleistet sein und ist Gradmesser der Zivilisation in einer Gesellschaft. Es ist Bestandteil des in Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützten fairen Verfahrens. Dazu gehört auch das Recht, sich von Anwälten beraten und vertreten zu lassen. Mit den Verhaftungen seiner Beistände wird dieses Recht für den führenden kurdischen Politiker Abdullah Öcalan, der unter scharfen Isolationshaftbedingungen festgesetzt ist, verhindert. Er ist schon seit über vier Monaten ohne Anwaltskontakte.
Die Verhaftungen erfolgten unmittelbar nach öffentlichen Äußerungen des türkischen Premierministers Erdoğan. In diesen hatte er die Anwälte angegriffen und sie beschuldigt, zur Kommunikation zwischen Öcalan und der PKK beizutragen. Nach dieser politischen Vorgabe schlugen Justiz und Polizei zu.
MAF-DAD ruft die deutsche Öffentlichkeit, Juristinnen und Juristen, Anwaltsvereinigungen und die Bundesrechtsanwaltskammer auf zu protestieren und sich für die unverzügliche Freilassung der Verfolgten einzusetzen.
MAF-DAD hatte vor einem Monat, gemeinsam mit Opferangehörigen und Persönlichkeiten aus Deutschland, eine Strafanzeige gegen R. T. Erdoğan und andere führende Politiker und Militärs der Türkei gestellt. In der Anzeige nach dem Völkerstrafgesetzbuch ging es um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Krieg gegen die kurdische Bewegung in den Jahren 2003 bis 2011. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung erwarten wir eine unparteiische Ermittlung und Verfolgung der Anzeige durch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
5. Dezember 2011 — MAF-DAD e.V., Der Vorstand
On 22 November 2011 a new and serious attack on democratic rights took place in Turkey. On that day 42 lawyers, all from the legal office defending Abdullah Öcalan, were arrested. Their offices were searched and a great deal of legal material seized. Thirty-three of them are still in custody. Their work as lawyers is being criminalised as membership of a “banned organisation”. Not even after Turkey's various military coups has there been such an attack on the freedom of the legal profession.
MAF-DAD — Association for Democracy and International Law — condemns these coercive measures and declares its solidarity with the arrested lawyers. The conduct of the state and the judiciary is arbitrary and a violation of human rights.
The right to a defence, especially in political proceedings, must be guaranteed in every country and is a measure of a society's civilisation. It forms part of the fair trial protected by Article 6 of the European Convention on Human Rights. That includes the right to be advised and represented by lawyers. By arresting his counsel, this right is denied to the leading Kurdish politician Abdullah Öcalan, who is held under severe conditions of isolation. He has now been without contact with his lawyers for over four months.
The arrests followed immediately upon public statements by the Turkish Prime Minister Erdoğan, in which he attacked the lawyers and accused them of facilitating communication between Öcalan and the PKK. Following this political cue, the judiciary and the police struck.
MAF-DAD calls on the German public, on lawyers, bar associations and the Federal Bar Association to protest and to work for the immediate release of those being prosecuted.
A month ago MAF-DAD, together with relatives of victims and public figures from Germany, filed a criminal complaint against R. T. Erdoğan and other leading Turkish politicians and military officers. The complaint, brought under the German Code of Crimes against International Law, concerned war crimes and crimes against humanity committed in the war against the Kurdish movement between 2003 and 2011. Against the background of the current developments too, we expect an impartial investigation and prosecution of the complaint by the Federal Prosecutor General in Karlsruhe.
5 December 2011 — MAF-DAD e.V., the Board