Permanentes Tribunal der Völker zu Rojava vs. Turkey
An der Vrije Universiteit Brussel (VUB) — Anfrage zur Unterstützung des Permanent Peoples' Tribunal
An die geschätzten Vertreter:innen von Menschenrechtsorganisationen: Wir wenden uns an Sie, um Ihre Unterstützung bei der Untersuchung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu erbitten, die von der türkischen Regierung und den von ihr unterstützten Kräften in Nord- und Ostsyrien, auch bekannt als Rojava, verübt wurden. Diese Handlungen, die den Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemäß dem Völkerrecht aufweisen, haben tiefes Leid unter der Zivilbevölkerung verursacht, unschätzbares kulturelles Erbe zerstört und eine bewusste Agenda der demografischen Umgestaltung vorangetrieben, die darauf abzielt, die kurdische Bevölkerung und andere ethnische Minderheiten zu verdrängen.
Am 5. und 6. Februar 2025 wird das Permanente Tribunal der Völker (PPT) in Zusammenarbeit mit mehreren Organisationen, die sich intensiv für Menschenrechte in der Region einsetzen, ein Tribunal einberufen, um diese Verbrechen zu thematisieren. Dieses Tribunal soll als Plattform dienen, um das Bewusstsein zu schärfen, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und Gerechtigkeit anzustreben.
Schwere Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht
Erzwungene Vertreibungen der Bevölkerung. In verschiedenen Regionen, insbesondere in Afrin und Ras al-Ayn, wurden kurdische Bewohner:innen unter Einsatz von Gewalt und Zwang vertrieben, was grundlegende humanitäre Prinzipien verletzt. Diese Vertreibungen stellen direkte Verstöße gegen die Genfer Abkommen und die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen dar.
Einsatz verbotener Waffen und Angriffe auf Zivilist:innen. Berichten zufolge haben die türkischen Streitkräfte verbotene Waffen, darunter weißen Phosphor, gegen Zivilpersonen und zivile Infrastruktur eingesetzt. Diese Angriffe, die Schulen, Krankenhäuser und Gotteshäuser betreffen, belegen eine systematische Missachtung des Schutzes der Zivilbevölkerung.
Gezielte Tötungen und Massaker an Zivilpersonen. Zu den Opfern dieser Gräueltaten zählt Hevrin Khalaf, die ehemalige Generalsekretärin der Future Syria Party, die gezielt ermordet wurde, um Stimmen, die sich für Frieden und regionale Stabilität einsetzten, zum Schweigen zu bringen. Auch das Massaker in Taqal Baqal, bei dem Zivilpersonen brutal angegriffen wurden, während sie versuchten, humanitäre Hilfe zu leisten, illustriert die gezielte Gewalt gegen Nichtkombattant:innen.
Gezielte Unterbrechung der Wasserversorgung. Die Alouk-Wasserstation, eine kritische Infrastruktur in der Nähe von Ras al-Ayn, wurde aufgrund von Militäraktionen und Manipulationen durch Kräfte, die mit dem türkischen Staat verbunden sind, wiederholt unterbrochen. Diese langanhaltenden Unterbrechungen haben mehr als eine Million Menschen von sicherem Trinkwasser abgeschnitten und eine humanitäre Krise in Hasakah und den umliegenden Gebieten ausgelöst. Der Zugang zu Wasser ist ein grundlegendes Menschenrecht, wie es in internationalen Resolutionen, einschließlich der UN-Resolution 64/292, anerkannt wird.
Zerstörung von Kulturerbe und religiösen Stätten. Von der Türkei unterstützte Kräfte haben systematisch kulturelle und religiöse Stätten in Afrin zerstört, darunter heilige Schreine von Êzîd:innen. Diese Zerstörungen, begleitet von Plünderungen archäologischer Schätze, verstoßen gegen das Haager Abkommen von 1954 zum Schutz von Kulturgut.
Folter und willkürliche Inhaftierungen. Zahlreiche Zivilist:innen wurden gefoltert und willkürlich inhaftiert. Diese Handlungen zeigen eine gezielte Strategie, die darauf abzielt, die kulturelle, religiöse und ethnische Identität der regionalen Bevölkerung auszulöschen, und verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht sowie internationale Menschenrechtsnormen.
Ungeachtet der Tatsache, dass die Türkei und Syrien das Römische Statut nicht ratifiziert haben, rufen wir die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese Handlungen dennoch anhand der universell anerkannten Standards der Artikel 7 und 8 zu bewerten, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen definieren.
Einladung zur Beteiligung
Die Vorbereitung dieses zivilen Tribunals wird aktiv unterstützt vom Komitee für Recht und Gerechtigkeit, der Abteilung für Außenbeziehungen der Demokratischen Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens (DAANES), dem Forschungs- und Schutzzentrum für Frauenrechte, den Menschenrechtsorganisationen in Al-Jazira und Afrin sowie MAF-DAD e.V., ELDH, IADL, dem Nationalkongress Kurdistan (KNK), dem Kurdischen Institut Brüssel und der Freien Universität Brüssel (VUB).
Wir laden Ihre geschätzten Organisationen ein, sich dieser Initiative anzuschließen, indem sie das Verfahren des Tribunals öffentlich unterstützen, den Austausch von Dokumenten und Zeugenaussagen erleichtern und durch die Teilnahme Ihrer Organisationen an dem Tribunal ihr Fachwissen in die sorgfältige Dokumentation dieser Verbrechen einbringen. Ihre Unterstützung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und dass die Opfer Gerechtigkeit erfahren.
In Solidarität mit den Opfern vertrauen wir darauf, dass Sie mit uns zusammenarbeiten werden, um weitere Verstöße zu verhindern und sicherzustellen, dass die Gerechtigkeit siegt.
Hochachtungsvoll,
Midya Abdah, Zentrum für Forschung und Schutz der Rechte der Frau in Europa
Heike Geisweid, Verein für Demokratie und Internationales Recht (MAF-DAD)
Ceren Uysal, Europäische Vereinigung von Juristinnen & Juristen für Demokratie und Menschenrechte in der Welt (ELDH)
Permanent Peoples' Tribunal on Rojava vs. Turkey
At the Vrije Universiteit Brussel (VUB) — request for support of the Permanent Peoples' Tribunal
To the esteemed representatives of human rights organisations: we write to ask for your support in investigating the grave human rights violations and war crimes committed by the Turkish government and the forces it supports in north and east Syria, also known as Rojava. These acts, which meet the definition of crimes against humanity under international law, have caused deep suffering among the civilian population, destroyed irreplaceable cultural heritage and advanced a deliberate agenda of demographic engineering aimed at displacing the Kurdish population and other ethnic minorities.
On 5 and 6 February 2025 the Permanent Peoples' Tribunal (PPT), together with several organisations deeply engaged in human rights work in the region, will convene a tribunal to address these crimes. The tribunal is intended as a platform to raise awareness, document violations and pursue justice.
Grave human rights violations and breaches of international humanitarian law
Forced displacement of the population. In several regions, particularly in Afrin and Ras al-Ayn, Kurdish residents have been driven out through violence and coercion, in violation of fundamental humanitarian principles. These displacements are direct breaches of the Geneva Conventions and the principles of the UN Charter.
Use of prohibited weapons and attacks on civilians. Turkish armed forces are reported to have used prohibited weapons, including white phosphorus, against civilians and civilian infrastructure. These attacks, striking schools, hospitals and places of worship, show a systematic disregard for the protection of the civilian population.
Targeted killings and massacres of civilians. Among the victims is Hevrin Khalaf, former secretary general of the Future Syria Party, deliberately murdered to silence voices working for peace and regional stability. The massacre at Taqal Baqal, in which civilians were brutally attacked while attempting to deliver humanitarian aid, likewise illustrates the targeted violence against non-combatants.
Deliberate interruption of the water supply. The Alouk water station, critical infrastructure near Ras al-Ayn, has repeatedly been shut down through military action and interference by forces linked to the Turkish state. These prolonged interruptions have cut more than a million people off from safe drinking water and triggered a humanitarian crisis in Hasakah and the surrounding areas. Access to water is a fundamental human right, as recognised in international resolutions including UN Resolution 64/292.
Destruction of cultural heritage and religious sites. Forces supported by Turkey have systematically destroyed cultural and religious sites in Afrin, including Yazidi shrines. This destruction, accompanied by the looting of archaeological treasures, violates the 1954 Hague Convention for the Protection of Cultural Property.
Torture and arbitrary detention. Numerous civilians have been tortured and arbitrarily detained. These acts reveal a deliberate strategy aimed at erasing the cultural, religious and ethnic identity of the region's population, in clear breach of international humanitarian law and international human rights standards.
Notwithstanding the fact that Turkey and Syria have not ratified the Rome Statute, we call on the international community to assess these acts against the universally recognised standards of Articles 7 and 8, which define crimes against humanity and war crimes.
Invitation to take part
Preparation of this civil tribunal is actively supported by the Committee for Law and Justice, the Department of Foreign Relations of the Democratic Autonomous Administration of North and East Syria (DAANES), the Research and Protection Centre for Women's Rights, the human rights organisations in Al-Jazira and Afrin, as well as MAF-DAD e.V., ELDH, IADL, the Kurdistan National Congress (KNK), the Kurdish Institute of Brussels and the Vrije Universiteit Brussel (VUB).
We invite your esteemed organisations to join this initiative by publicly supporting the tribunal's proceedings, facilitating the exchange of documents and testimony, and contributing your expertise to the careful documentation of these crimes through your participation. Your support is essential to ensuring that those responsible are held to account and that the victims see justice.
In solidarity with the victims, we trust that you will work with us to prevent further violations and to ensure that justice prevails.
Respectfully,
Midya Abdah, Centre for Research and Protection of Women's Rights in Europe
Heike Geisweid, Association for Democracy and International Law (MAF-DAD)
Ceren Uysal, European Association of Lawyers for Democracy and World Human Rights (ELDH)
