Mit fadenscheinigen Argumenten führen die Türkei und von ihr unterstützte jihadistische Terroristen seit Tagen einen Angriffskrieg gegen die Demokratischen Kräfte Syriens (Syrian Democratic Forces, SDF) in Nordsyrien/Rojava (West-Kurdistan). Die SDF sind eine multiethnische Einheit, die sich erfolgreich des Schutzes der ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien angenommen und den selbst ernannten Islamischen Staat (IS) besiegt haben.
Die Türkei verletzt die territoriale Integrität Syriens und verstößt gegen das Gewaltverbot des Art. 2 Nr. 4 UN-Charta. Sie kann sich weder auf eine Zustimmung der Regierung Syriens, eine Autorisierung des UN-Sicherheitsrates nach Kapitel VII der UN-Charta noch ein begründetes Selbstverteidigungsrecht aus Art. 51 UN-Charta stützen. Vom nordsyrischen Boden aus hat es zu keiner Zeit einen Angriff gegeben, der eine militärische Offensive begründet hätte. Die türkische Regierung hat bis heute keine überzeugenden Beweise für einen Angriff vorgelegt und bedient sich lediglich pauschaler, unsubstantiierter Behauptungen.
Die Türkei und die jihadistischen Terroristen greifen mit der Luftwaffe und den Bodentruppen willkürlich die zivile Bevölkerung in Nordsyrien an. Die humanitäre Situation ist verheerend, weil die Angreifer den Krieg insbesondere in bewohnten Städten und Dörfern führen und die Zivilbevölkerung von der grundlegenden Wasser-, Medizin- und Nahrungsversorgung abschneiden. Es sind bereits viele zivile Opfer und Verletzte zu beklagen. Das Fahrzeug eines Gesundheitsteams von Heyva Sor (der Kurdische Rote Halbmond) ist zwischen Til Temir und Serêkaniyê (Ras al-Ain) bombardiert worden. Wie unabhängige Beobachter melden, setzt der Angriffskrieg schon nach den ersten Tagen eine Massenflucht der Zivilbevölkerung in Lauf. Schätzungsweise sind ca. 130.000 Menschen schon geflohen. Eine weitere humanitäre Katastrophe steht bevor.
Ethnische Säuberung als erklärtes Ziel
Es ist erklärtes Ziel der Türkei, die einzige demokratische Struktur Syriens zu vernichten und in Nordsyrien eine „Sicherheitszone“ zu errichten, in der syrische Flüchtlinge angesiedelt werden sollen. Das Vorhaben der Türkei ist nichts anderes als eine ethnische Säuberung. Durch die Umsiedlung der syrischen Flüchtlinge, die überwiegend nicht aus Nordsyrien stammen, verfolgt die Türkei das Ziel eines zwangsweisen demografischen Wechsels.
Bestes Beispiel hierfür sind die jüngsten, bewussten Angriffe auf Siedlungsgebiete in den Städten Serêkaniyê und Girê Spî. Auch die Geschehnisse in Afrin sind ein Zeugnis für die rücksichtslose Kriegsführung der Türkei. Auch dort wurde ein Großteil der Bevölkerung durch systematisches Bombardieren der Siedlungsgebiete vertrieben und durch arabischstämmige Familien ersetzt. Kurdische Familien, die nicht fliehen konnten oder ihr Land nicht verlassen wollten, sind seither systematischen Folterungen und anderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Die kurdische Stadt Afrin auf syrischem Boden ist inzwischen völlig türkifiziert und wird wie ein eigenes Gouvernement verwaltet. Das nennt man dann wohl zwangsläufig „Besatzung“.
Gleichermaßen zeigt die Türkei im eigenen Land, wie sie es mit Menschenrechten meint. Selbst die leiseste Kritik an dem Angriffskrieg wird mit allen Mitteln im Keim erstickt. Jegliche Kritik wird durch gezielte Hetzkampagnen in den Medien, durch Polizei und Justiz knallhart verfolgt.
Unsere Forderung
Wir verurteilen den Angriffskrieg der Türkei als eine eklatante Verletzung des Völkerrechts und rufen die internationale Öffentlichkeit, den UN-Sicherheitsrat, die EU, den Europarat und die Bundesrepublik Deutschland auf, sich für die sofortige Einstellung der Invasion einzusetzen.
Die NATO-Mitgliedschaft der Türkei darf nicht dazu führen, dass die Türkei die Menschenrechte und das Völkerrecht nach Belieben verletzen darf. Die Türkei kann ihren Angriffskrieg nicht mit Sicherheitsinteressen rechtfertigen, denn von Rojava aus gab es nie eine Gefahr für die Türkei.
Die großzügige Nachsicht mit der Türkei muss sofort eingestellt werden. Lippenbekenntnisse und mündliche Verurteilungen reichen hier nicht mehr. Ein in die Zukunft gerichtetes Waffenembargo reicht ebenso wenig. Es müssen Sanktionen verhängt werden, die die Türkei sofort zu spüren bekommt. JETZT!
14. Oktober 2019
Der Vorstand der MAF-DAD
On flimsy grounds, Turkey and the jihadist terrorists it supports have for days been waging a war of aggression against the Syrian Democratic Forces (SDF) in northern Syria / Rojava (Western Kurdistan). The SDF are a multi-ethnic formation that has successfully taken on the protection of Syria's ethnic and religious minorities and defeated the self-proclaimed Islamic State (IS).
Turkey is violating Syria's territorial integrity and breaching the prohibition on the use of force in Article 2(4) of the UN Charter. It can rely neither on the consent of the Syrian government, nor on authorisation by the UN Security Council under Chapter VII, nor on a justified right of self-defence under Article 51. At no point has there been an attack from northern Syrian soil that would warrant a military offensive. To this day the Turkish government has produced no convincing evidence of any attack and relies solely on sweeping, unsubstantiated claims.
Turkey and the jihadist terrorists are attacking the civilian population of northern Syria indiscriminately, from the air and on the ground. The humanitarian situation is devastating, because the attackers are waging the war above all in inhabited towns and villages and cutting the civilian population off from basic water, medical and food supplies. There are already many civilian dead and wounded. A vehicle belonging to a health team of Heyva Sor (the Kurdish Red Crescent) was bombed between Til Temir and Serêkaniyê (Ras al-Ain). Independent observers report that even after the first days the war of aggression has set off a mass flight of civilians. An estimated 130,000 people have already fled. A further humanitarian catastrophe is imminent.
Ethnic cleansing as a declared aim
It is Turkey's declared aim to destroy the only democratic structure in Syria and to establish a “security zone” in northern Syria in which Syrian refugees are to be settled. Turkey's plan is nothing other than ethnic cleansing. By relocating Syrian refugees, most of whom do not come from northern Syria, Turkey is pursuing a forced demographic change.
The clearest examples are the recent deliberate attacks on residential areas in the towns of Serêkaniyê and Girê Spî. The events in Afrin likewise testify to Turkey's reckless conduct of war. There too a large part of the population was driven out by systematic bombardment of residential areas and replaced by families of Arab origin. Kurdish families who could not flee, or who did not want to leave their land, have since been subjected to systematic torture and other human rights violations. The Kurdish city of Afrin on Syrian soil is by now entirely Turkified and administered as a governorate of its own. That, inevitably, is what one calls “occupation”.
Turkey shows what it means by human rights at home as well. Even the faintest criticism of the war of aggression is stifled by every available means. Any criticism is pursued relentlessly through targeted smear campaigns in the media, by the police and by the courts.
Our demand
We condemn Turkey's war of aggression as a flagrant violation of international law and call on the international public, the UN Security Council, the EU, the Council of Europe and the Federal Republic of Germany to work for the immediate halt of the invasion.
Turkey's NATO membership must not mean that Turkey may violate human rights and international law at will. Turkey cannot justify its war of aggression with security interests, for there was never any danger to Turkey from Rojava.
The generous indulgence shown to Turkey must cease at once. Lip service and verbal condemnations are no longer enough. Nor is an arms embargo directed only at the future. Sanctions must be imposed that Turkey feels immediately. NOW!
14 October 2019
The board of MAF-DAD