Strafanzeige wegen Kriegsverbrechen — Pressekonferenz — mafdad.org
Anwälte aus der Bundesrepublik haben bei der zuständigen Bundesanwaltschaft (BAW) in Karlsruhe eine Strafanzeige gegen Ministerpräsident Erdoğan, der sich zurzeit auf Staatsbesuch in Berlin aufhält, sowie mehrere Generalstabschefs der türkischen Armee wegen schwerer Straftaten im Krieg gegen die kurdische Bevölkerung eingereicht. Angezeigt werden vom Kriegsvölkerrecht geächtete Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Zeit zwischen 2003 und heute.
Das seit 2002 bestehende deutsche Völkerstrafgesetzbuch bildet die Grundlage der Strafanzeige. Es ermöglicht eine internationale Strafverfolgung von geächteten Kriegsverbrechen, für die militärische Befehlshaber und politische Vorgesetzte verantwortlich sind — auch wenn der „Tatort“ nicht in Deutschland liegt.
Inhalt der Anzeige sind zehn exemplarische „Fälle“ aus den letzten Jahren, die auf Grundlage eigener umfangreicher Recherchen, der Auswertung türkischer Justizmaterialien und Berichten renommierter Menschenrechtsorganisationen zusammengestellt wurden.
Es handelt sich unter anderem um Fälle von extralegalen Hinrichtungen, Tötung von Kämpfern nach Gefangennahme, Folter, postmortalen Verstümmelungen bis zum Einsatz verbotener chemischer Waffen. Dargestellt werden die jeweiligen Sachverhalte mit Namen, Daten und Beweismitteln.
Die Strafanzeige wird im Namen von Angehörigen der Opfer der Kriegsverbrechen erstattet. Die Menschenrechtsorganisation MAF-DAD — Verein für Demokratie und internationales Recht e.V. in Köln, die Autorin Doris Gercke (Bella Block), der Völkerrechtsprofessor Norman Paech, der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (DIE LINKE), Dr. med. Gisela Penteker (IPPNW), die Stadträtin von Nürnberg Marion Padua sowie der Soziologe Martin Dolzer gehören ebenfalls zu den Anzeigenden.
Eingereicht wurde die Anzeige durch Rechtsanwältin Britta Eder und Rechtsanwalt Dr. Heinz-Jürgen Schneider.
Am 1. November 2011 findet dazu um 11.00 Uhr im Haus der Demokratie in Berlin (Greifswalder Straße 4) eine Pressekonferenz statt mit Anwälten und Anzeigeerstattern.
Lawyers from Germany have filed a criminal complaint with the Federal Prosecutor General (BAW) in Karlsruhe against Prime Minister Erdoğan, who is currently on a state visit to Berlin, and against several chiefs of the general staff of the Turkish army, for serious crimes in the war against the Kurdish population. The complaint concerns war crimes and crimes against humanity outlawed by the international law of armed conflict, committed between 2003 and the present.
The German Code of Crimes against International Law, in force since 2002, forms the basis of the complaint. It makes possible the international prosecution of outlawed war crimes for which military commanders and political superiors are responsible — even where the “scene of the crime” does not lie in Germany.
The complaint sets out ten exemplary “cases” from recent years, compiled on the basis of the complainants' own extensive research, an analysis of Turkish judicial material, and reports by respected human rights organisations.
They include cases of extrajudicial executions, the killing of fighters after capture, torture, post-mortem mutilation, and the use of banned chemical weapons. Each set of facts is presented with names, dates and evidence.
The complaint is brought in the name of relatives of the victims of these war crimes. The human rights organisation MAF-DAD — Association for Democracy and International Law, based in Cologne — the writer Doris Gercke (Bella Block), the professor of international law Norman Paech, the member of the Bundestag Harald Weinberg (DIE LINKE), Dr Gisela Penteker (IPPNW), the Nuremberg city councillor Marion Padua and the sociologist Martin Dolzer are also among the complainants.
The complaint was filed by the lawyers Britta Eder and Dr Heinz-Jürgen Schneider.
A press conference with the lawyers and complainants will be held on 1 November 2011 at 11.00 at the Haus der Demokratie in Berlin (Greifswalder Straße 4).