Internationale Konferenz „Dialog verbindet, Solidarität stärkt“, Istanbul, 20.–21. Januar 2007. Beitrag von Norman Paech.
Ich möchte Ihnen einige Beobachtungen und Überlegungen vorstellen, die aus der Sicht eines Deutschen kommen, der grundsätzlich davon überzeugt ist, dass die Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei letztendlich zu einem Beitritt führen müssen. Danach sieht es allerdings heute, gut ein Jahr, nachdem die Verhandlungen am 3. Oktober 2005 begonnen haben, gar nicht aus. Die Diskussion innerhalb der EU-Staaten ist zunehmend kritischer geworden, und auch früher noch eindeutige Befürworter eines Beitritts der Türkei rücken immer mehr von ihrer Position ab. Aber auch in der Türkei sind jene Stimmen lauter geworden, die die erhofften Vorteile eines Beitritts in Frage stellen.
Der Beitrag entwickelt von hier aus vier Argumentationslinien: den Zypernkonflikt als offiziellen Anlass der Blockade; die ideologische Ablehnung, die Paech als „Turkophobie“ bezeichnet und die er von den vorgeschobenen kulturellen Argumenten unterscheidet; die Frage der demokratischen Kultur, gegen deren historische Begründung er auf Europas eigene Katastrophen — den Nationalsozialismus, die iberischen Diktaturen — verweist; und schließlich die substanziellen Demokratiedefizite, die aus seiner Sicht die eigentliche Hürde bilden.
Den Kern bildet die kurdische Frage. Paech argumentiert, dass die Selbstbestimmung der Kurd:innen innerhalb der Grenzen der Türkei — Sprachenrechte, politische Teilhabe, Minderheitenschutz — völkerrechtlich begründet und für die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien unerlässlich ist. Nicht die Kultur, sondern die Verweigerung dieser Rechte steht dem Beitritt entgegen.
Hamburg, 14. Januar 2007
Anmerkung der Redaktion: Dies ist eine Zusammenfassung. Der vollständige Vortragstext ist im Originalbeitrag auf mafdad.org nachzulesen.
International conference “Dialogue connects, solidarity strengthens”, Istanbul, 20–21 January 2007. Paper by Norman Paech.
I would like to set out some observations and reflections from the point of view of a German who is fundamentally convinced that the accession negotiations between the EU and Turkey must ultimately lead to accession. Today, however — a good year after the negotiations opened on 3 October 2005 — it does not look that way at all. The discussion within the EU states has become increasingly critical, and even those who were once unambiguous supporters of Turkish accession are moving further from that position. In Turkey too, the voices questioning the hoped-for advantages of accession have grown louder.
From here the paper develops four lines of argument: the Cyprus conflict as the official occasion of the blockage; the ideological rejection that Paech calls “Turkophobia”, which he distinguishes from the cultural arguments advanced as a pretext; the question of democratic culture, against whose historical justification he sets Europe's own catastrophes — National Socialism, the Iberian dictatorships; and finally the substantive democratic deficits that in his view constitute the real obstacle.
The Kurdish question forms the core. Paech argues that Kurdish self-determination within Turkey's borders — language rights, political participation, protection of minorities — is founded in international law and indispensable to meeting the Copenhagen criteria. It is not culture but the denial of these rights that stands in the way of accession.
Hamburg, 14 January 2007
Editorial note: this is a summary. The full text of the paper can be read in the original article at mafdad.org.